• Birgitta Borghoff

Aufgang der Herzsonne


Etwas bricht auf in mir,

aufersteht sozusagen

vom dunklen Dunst des Schweren,

sich erhebend über das schwarze Seelenmeer.

Ein Meer voller Schlacken, Schleim

und anderer Widerwärtigkeiten.

Bewegungslos und stumm

liegt es einfach da

am Grund aller Zeiten.

Kantige Wellen so scharf wie Klingen

wildern über die Oberfläche

ohne zu wissen, was sie tun.

Darunter

dunkle, trübe Hochsee

verlassen, ungesehen, verwaist

- schwarz wie die Nacht.

Ein trauriger Schatten der Vergangenheit

durchwebt die Meeresseele

durchpulst ihren innersten Kern

- ein schreckhaftes Schauspiel,

das fliehend und suchend zugleich

sich vollzieht im Verborgenen.

Nur wer hinschaut, es wagt, in die scharfen Klingen einzutauchen

kann fühlen, was es heisst, ungeborgen zu weilen

rastlos, ruhelos

ohne Zuversicht auf Grosses.

Doch wer dies schafft, sieht mehr noch,

erlebt die Hoheit des Ganzen,

sich auch im Ungeborgenen

aufgehoben zu wissen,

weil es immer noch in ihm atmet,

er lebt und da ist.

So er dies wahrnimmt,

blickt er gen oben

und sieht die Klingen springen

über dem Meer.

Und erkennt entzückende Lücken,

die plötzlich zu nehmen er weiss.

So schwingt er sich hinauf -

der Lebensatem.

Im Moment der Lücke,

greift er zu den Sternen,

die nun funkeln

so hell wie Sonnenstaub

ihn fast blenden vor Sehnsucht

nach dem grossen Herzen der Sonne

das er schon Ewigkeiten sucht

und doch nie fand.

Doch jetzt ist es anders,

die Lücke scheint ewig

und so rafft er sich auf

mit letzter Kraft

und erhebt sich mit lautem Schnauben,

bis ihm Flügel wachsen

so weit wie der Himmel unendlich ist

und empor tragen

in die Wirklichkeit über dem Seelenmeer

und plötzlich sieht er,

wie die scharfen Klingen vergehen

und einer sanften Meeresbrise weichen

die sich nun schützend und hüllend

um die Hochsee legt,

sie durchdringt und wandelt

bis von oben sichtbar

glasklare Frühjahrsperlen

auf den Wellen hüpfen,

durchlässig und verspielt.

Sie wirken wie Lupen

die vergrössern das Innen des Meeres

und siehe da, nichts Schwarzes ward mehr da!

Stattdessen klares, buntes Wasser

schillernd wie ein Regenbogen

sich spiegelnd in den Perlen,

die reflektierend gen Himmel

die Herzsonne gebären,

die nun freudvoll hüpfend

über das Seelenmeer tanzt,

sich erfreut am Spiel der Gezeiten,

Raum nehmend und gebend

und ganz und gar heil ist.

(Text und Bild: Birgitta Borghoff, 1. April 2016)

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#herzsonne #seelenmeer

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